Neues Schlachthaus in Nittenau fördert Regionalentwicklung

BN begrüßt lnitiative von Gunther Stangl für einen handwerklichen Schlachtbetrieb in Nittenau!

,,Wir freuen uns, dass nun in unserer Region ein solches Schlachthaus entsteht, das auch in Zukunft bei der Fleischverarbeitung regionale Produkte ermöglicht", so Klaus Pöhler, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Schwandorf.

 

15.08.2020

Der Skandal um die Schlachtbedingungen beiTönnies, einem der großen Fleischkonzerne  in Deutschland, hat den Blick der Öffentlichkeit auch auf den Umgang unserer Gesellschaft  mit der Haltung und Schlachtung  unserer landwirtschaftlichen Nutztiere gerichtet.
Oft ist das Ende der Tiere  in den großen  Schlachtstätten mehr als unrühmlich und hat auch unmoralische  Arbeitsbedingungen  der Menschen  in Schlachtung
und Verarbeitung  in den Großbetrieben von Tönnies  nach sich gezogen. ,,Daher hält es der BUND  Naturschutz (BN) für sehr wichtig, dass es jetzt die
lnitiative  von Gunther Stangl in Nittenau gibt, der damit regionale Schlachtungen,  kurze Wege  beim Tiertransport und eine wichtige Dienstleistung  für
örtliche Metzgereien  und Direktvermarkter ermöglicht",  so Richard  Mergner, BN Landesvorsitzender. ,,Wenn  ein solches Modell Schule  machen  soll, wie
man es dem Plädoyer von Ministerpräsident  Markus  Söder entnehmen  könnte, der sich in seiner  Rede  vom 3. Juli in Nürnberg  gegen ausufernden
,,Agrarkapitalismus" aussprach, dann  muss  der Freistaat  Bayern bestehende und künftig  anzusiedelnde,  regionale  Schlachthofstrukturen  in geeigneter
Weise fördern", so Mergner.
,,Wer  Fleisch  isst, sollte wissen,  wo es herkommt.  Transparenz  ist gerade  hier unverzichtbar. Mit meinem Schlachthaus will ich zum Partner für die
Landwirte  in der Region werden. Wenn damit die Transportzeit für die Tiere stark verkürzt werden  kann, dient dies in besonderer  Weise dem Tierwohl",  ist
Schlachthausbetreiber  Gunther  Stangl  überzeugt.  ,,Als Nebeneffekt ist auch die Fleischqualität besser,  wenn die Tiere weniger Stress  ausgesetzt sind."
,,Wir freuen  uns, dass nun in unserer Region  ein solches  Schlachthaus entsteht, das auch in Zukunft bei der Fleischverarbeitung  regionale Produkte
ermöglicht", so Klaus Pöhler,  Vorsitzender  der BN-Kreisgruppe  Schwandorf.
,,Da das Schlachthaus  Nittenau nahe an der Ökomodellregion  Regensburg liegt, sieht der BUND  Naturschutz  eine besondere  Chance,  damit auch die
Rahmenbedingungen  für biologisch  wirtschaftende  Tierhalter  zu verbessern", so Reinhard  Scheuerlein, Regionalreferent  für die Oberpfalz.
lnsgesamt  stehen heute leider regionale, handwerkliche  Betriebe im Schlachtbereich unter einem massiven Konkurrenzdruck. Denn die Großunternehmen
Tönnies,  Westfleisch,  Vion, Danish  Crown und die Müller-Gruppe  beherrschen über zwei Drittel des Schlachtmarktes  für Schweine  und Rinder in Deutschland.
Um handwerkliche  Fleischverarbeitung  dauerhaft  in Bayern zu sichern  und die schädliche  Konzentration auf Großstrukturen  zu verhindern,  fordert der BUND
Naturschutz  dringend staatliche Leitplanken,  die lnvestitionen  unterstützen und für kleine  Strukturen die laufenden Betriebskosten reduzieren.
Bereits  in den 90erJahren hat sich der BUND  Naturschutz  für die Förderung regionaler Vermarktungsstrukturen  im Schlachthofbereich eingesetzt.
,,ln der EWG Richtlinie  vom 10.2.1992  wurde das Aus von kleinen  Strukturen gesetzlich  legitimiert, denn  die neuen Hygienevorschriften dienten explizit der
,, rationellen  Entwicklung" des Fleischsektors",  so Richard  Mergner, Vorsitzender  des BN. ,,Zwar wurde l993 kurzfristig - auch auf den öffentlichen
Druck des BN hin, ein lnvestitionsförderprogramm  des Bayerischen  Landwirtschaftsministeriums  aufgelegt. Doch leider nur für kurze Zeit", so Mergner.
Mit dem Begriff,,Regionalität"  werden die Verbraucher leider auch in die lrre geführt,  zum Beispiel, wenn ausschließlich  der Verarbeitungsort  reicht, um ein
Produkt als ,,hergestellt in Bayern" kennzeichnen  zu dürfen. Ein Beispiel wurde von der ZDF Zeit Dokumentationsredaktion  im Juli 2020
recherchiert:  Putenfleisch  mit der Auszeichnung,,in  Bayern hergestellt"  bei dem die Puten in Chile  gehalten und geschlachtet  wurden.
"Diese Praktiken  gilt es zu beenden,  denn  eine Kennzeichnung  der Herkunft  und der Haltungsform ist entscheidend, um Transparenz  zu schaffen", so Mergner.

Pressemitteilung